
Geschrieben von Jörg Schnebele
Buchtitel: Konzertfotografie für Einsteiger – 3 Songs, kein Blitz – Fotografieren am Rande des Wahnsinns
Autor: Thorsten „Doc Rock“ Seiffert
Genre: Ratgeber
Verlag: Kindle-Shop
Veröffentlichung: 23.07. 2025
ASIN: B0D4VWFS2Z
Kollege Thorsten „Dock Rock“ Seiffert hat das getan, was so mancher Konzertfotograf vielleicht auch schon vorhatte, es aber dann doch nicht umgesetzt hat: Thorsten hat einen Ratgeber verfasst, der vielen Konzert-Fotografen-Einsteiger mit Sicherheit einige Monate, wenn nicht Jahre des Ausprobierens, der Frustbekämpfung und Verzweiflung erspart.
Im Zeitalter der Handys, mit denen man vermeintlich ohne Probleme allerbeste Live Shots machen kann, ist der Beginn der Fotografie aus dem Graben oftmals ein müßiger, ernüchternder Weg.
Wer wie ich schon in den Achtzigern mit analoger Fotografie von Bands auf der Bühne begonnen hat, musste einen langen, steinigen Weg des Versuchens durchschreiten.
Will man in der heutigen Zeit starten, kann einem Foto Besessenen Thorstens Buch (leider nur Kindle) unsagbar weiterhelfen.
Relativ knapp und auf das Wesentliche beschränkt, wird dem interessierten Leser ein kompletter Überblick verschafft, der von den ersten fotografischen Gehversuchen aus dem Publikum, über Akkreditierungen, Wahl des Equipments bis zur Einstellung der Kameras die nötigen Hilfestellungen gibt. Dabei vermittelt er alle Schwierigkeiten, die (nicht nur) dem „Neufotografen“ begegnen werden.
Seinen persönlichen Fokus bei der Konzertfotografie dokumentiert Thorsten als seine „Zehn Gebote“, die allerdings individuell von jedem Einzelnen abgewandelt werden können. Gerade sein „zehntes“ Gebot „Du sollst das Bild am gleichen Abend liefern (wenn du’s kannst)“, ist eine sportliche Arbeitsweise des Autors, die bei mir z.B. gar nicht greift. Da ich selten für Print Magazine fotografiere, habe ich den Zeitdruck nicht und lasse mir für die Bearbeitung der Bilder jeder Band ausreichend Zeit.
In einem Punkt gehe ich mit Thorsten mit seinen Empfehlungen allerdings nicht mit: „Wenn du’s ernst meinst – fotografiere RAW“.
Ich bin offensichtlich der einzige Konzertfotograf (oder der Einzige, der es zugibt), der ausschließlich im JPEG Format fotografiert. Ich habe natürlich ausprobiert, welche Vorteile mir RAW bringen kann, habe aber kaum Erleichterungen in der Bearbeitung feststellen können, so dass ich mich von RAW verabschiedet habe. Aber wie gesagt: ich scheine offensichtlich der einzige zu sein; auf der anderen Seite zeigen meine Ergebnisse, dass es doch irgendwie funktionieren kann.
Dies zeigt, dass „Konzertfotografie für Einsteiger“ nicht die Bibel der Konzert Fotografie ist, auch nicht sein will. Es ist ein Wegweiser, der aber auch auffordert, selber zu experimentieren, auszuprobieren, eigene Erfahrungen zu sammeln. Individualität ist der entscheidende Punkt!
Kollege Seiffert ist einer der bekanntesten und besten (deutschen) Fotografen, der es geschafft hat, viele Bands von seiner Bucket List nehmen zu können. Das teilt er, meiner Meinung nach viel zu knapp, mit dem Leser. Hier hätte ich mich über viel mehr Anekdoten gefreut.
Und auch ein Kapitel über „Bilder, die er gerne gemacht hätte“, holt einen in die Realität zurück. Viele Künstler hat man nicht fotografieren können, weil man einfach zu jung ist, damals fotografisch noch nicht so weit war, oder bestimmte Acts aus logistischen Gründen unerreichbar waren.
Und wer dieses Werk als den Kickstart für seine fotografische Karriere sieht, bekommt von Thorsten auch noch einen knappen Überblick über des Autoren Wohn- und Spielzimmer. Keine unwichtige Empfehlung, wenn man bei Null anfängt.
Last not least beendet Thorsten sein Buch mit einem Mini Comic: „The Focus – Kämpfer gegen Fotoverträge“. Eine tolle Idee, die wirklich klasse umgesetzt wurde.
Resümierend ist „Konzertfotografie für Einsteiger“ äußerst empfehlenswert, und das nicht nur für Foto Rookies, sondern auch für Leidensgenossen, die schon Jahre die Konzertfotografie betreiben. Kurzweilig, amüsant und hilfreich.
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